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Übergabe Werkhaus Beulwitz

Sven Kurzhauer

Schaut man auf die Homepage der IBA Thüringen (Internationale Bauausstellung Thüringen), findet man den Ursprung des heute (fast) fertiggestellten Werkhauses im Saalfelder Stadtteil Beulwitz. Dort steht geschrieben:

Das heutige Wohngebiet an der alten Kaserne in Saalfeld ist das bunteste und jüngste Quartier im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt. Die Lage zwischen Stadt und Land bietet der Bewohnerschaft einen weiten Ausblick auf die Landschaft zwischen Saale und Thüringer Wald. Seit den 1990er Jahren wandelte sich die Beulwitzer Straße zunehmend zu einem sozialen Brennpunkt. 2012 richtete der Landkreis hier eine Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber:innen ein. Der Bedarf an sozialer Begleitung, Bildung und Integration steigt und verändert sich auch aufgrund der Zuwanderung aus verschiedenen globalen Regionen. Um die Wohnbedingungen und Chancen im Quartier zu verbessern, bewarb sich die Stadt Saalfeld/Saale 2014 beim Wettbewerb „Zukunftsstadt 2030+“ des Bundesforschungsministeriums. Dabei war überraschend, wie positiv die Anwohner:innen über ihr Quartier berichteten. Insbesondere die landschaftliche Qualität des Wohngebiets spielte für sie eine große Rolle. Die Verwaltung erkannte, dass die bis dahin geplante Entwicklung zu einem Gewerbegebiet an den Bedürfnissen vor Ort vorbeiging. Neben Unternehmensansiedlungen waren Räume gefragt, die die ansässige Bürgerschaft stärken und zugleich den Geflüchteten Möglichkeiten der Teilhabe, Bildung und Arbeit eröffnen.

Das Werkhaus Beulwitz nahm in den vergangenen Monaten seine volle Gestalt an und wurde am 27. September seinen Nutzern übergeben, obwohl es nie fertiggestellt sein wird. Das liegt am Konzept, da hier immer gewerkelt werden soll.

Nach den Reden und Grußworten zur Übergabe, die von den Machern des Hauses und Landrat Marko Wolfram gehalten wurden, gab es ein Angebot zur Besichtigung des Geschaffenen. Bei der Führung zeigte sich der besondere und etwas eigenwillige Charme des Hauses. Durch den Einsatz von Baumaterialien und Elementen, entnommen vom Abriss des gelben Hauses auf dem Graben, wurden nicht nur Ressourcen wiederverwertet und in mühsamer Handarbeit zu kultigen Objekten aufgearbeitet. So findet man z. B. die Türen vom gelben Haus im Werkhaus wieder. Diese mussten aber auf eine größere Breite angepasst werden. Auch Fliesen vom gelben Haus waren wiederzuentdecken. Im Zusammenspiel mit den Holzelementen verbreitet sich ein schlichtes, aber kultiges Flair. Es entstand ein Haus mit Arbeitsmöglichkeiten in Werkstätten und Räume für gemeinsames Beisammensein. Das Werkhaus wurde aber nicht nur durch Firmen erbaut. Mitmachen und mitgestalten durch die Bewohner der ehemaligen Kasernen wurde angestrebt. „Erst kamen die neugierigen Kinder, dann ihre Eltern“, so Frau Giller von der Saalfelder Stadtverwaltung in ihrer Rede zur Übergabe. Das Angebot zur Mitarbeit wurde von vielen ausländischen Bewohnern, aber auch Deutschen, dankbar angenommen. Mancher war froh, seine handwerklichen Fähigkeiten aus dem Heimatland endlich mal am neuen Lebensort (unentgeltlich) einbringen zu können und endlich mal wieder das Ergebnis durch eigener Hände Arbeit zu sehen. Dabei entdeckt man unter den Mitwirkenden auch Fachgenies. Leider gehen uns einige wertvolle Fachkräfte wieder verloren, wenn sie ihren Familien z. B. in westdeutsche Ballungsstädte folgen. So ist es immer ein Kommen und Gehen und damit eine besondere Herausforderung für die Betreuer der Stadtverwaltung, die Arbeitsaufgaben zu bewältigen und die Bewohner am Standort zusammenzuführen. Es soll schließlich eine wichtige Begegnungsstätte am Standort Beulwitz sein, die Menschen zusammenführt.

Alle Träume werden aber nicht erfüllt. Auf meine Frage, ob es möglich sei, Familienfeiern gegen eine geringe Miete im Werkhaus durchzuführen, bekam ich eine abschlägige Antwort. Diese Möglichkeit wurde intern heftig diskutiert. Natürlich werden Feiern ermöglicht, aber alles unter Kontrolle. Man möchte schon wissen, was in den Räumen veranstaltet wird. Religiöse Feiern oder Ähnliches werden generell nicht gestattet sein. Leider sind auch keine privaten Feiern der Beulwitzer Bewohner aus der umliegenden Gegend möglich. Ich denke dabei z. B. an Geburtstagsfeiern, die man gern in preisgünstigen Räumen bei Selbstversorgung ausrichten möchte und dadurch das Haus und seine Nutzer auch kennen und schätzen lernen könnten. Über das Haus näher zusammenzurücken und sich kennenzulernen – das war der Hintergrund meiner Frage. Auch mittelfristig wird der Beulwitzer Stadtteil um das ehemalige Kasernengelände ein bevorzugter Standort für Menschen mit Migrationshintergrund sein. Dank der hier vergleichsweise günstigen Mieten ziehen aber vermehrt auch Familien mit verhältnismäßig geringen Einkommen hinzu. Im Bereich der ehemaligen Kasernen leben mehr Deutsche als Menschen mit Migrationshintergrund. Das hat mich überrascht. Eine stärkere Durchmischung der sozialen Schichten wäre auf dem ehemaligen Kasernengelände wünschenswert, bleibt aber vorerst unrealistisch. Es müssten eben Fluchtursachen beseitigt werden. Das Werkhaus bietet Hilfe zur Integration und somit ist es sinnvoll für Flüchtlinge, am Werkshaus zu wohnen, auch wenn sie sich dort konzentrieren. An Lebensqualität bietet dieser Stadtteil einiges, wie viel Grün, landschaftliche Ausblicke und Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe. Das Zentrum ist schnell mit ÖPNV, Fahrrad oder zu Fuß erreichbar. Das Werkhaus bietet die Möglichkeit, ein kreatives und soziales Zentrum in Beulwitz zu werden. Mit Frau Giller steht exemplarisch die Stadtverwaltung zur Unterstützung bereit. Am Standort Beulwitz wurde ein Stadtteil mit dem Werkhaus aufgewertet und hat alle Chancen, langfristig zu einem sehr attraktiven Kiez zu werden.

Natürlich muss so eine Übergabe gefeiert werden, und so wurde ein buntes Stadtteilfest für und von den Bewohnern ausgerichtet. Neben Informationen zum Werkhaus gab es für Kinder ein Fußballturnier, Bastelangebote und eine Zaubervorstellung.

Kulinarisch gab es leckeres syrisches Backwerk, ein türkisches Hühnchengericht, Döner, aber auch deutschen Kuchen und Kaffee vom Verein Lebenshilfe. Die Sonne lachte an diesem Tag über fröhlichen Menschen. Möge dies ein gutes Omen für die zukünftige Geschichte des Hauses sein.

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