König-Preuss zum Verbot der „Hammerskin-Nation“ Deutschland

Katharina König-Preuss

Zum heute umgesetzten Verbot der elitären Neonazi-Bruderschaft „Hammerskin-Nation“ (HSN) sowie ihrer Supporter-Struktur „Crew 38“ in Deutschland erklärt Katharina König-Preuss, Sprecherin für Antifaschismus der Fraktion DIE LINKE im Thüringer Landtag: „Die Hammerskins sind eine zutiefst antisemitische und rassistische Bruderschaft, die sich fest der nationalsozialistischen Ideologie verschrieben hat und seit 30 Jahren weitgehend ungestört von Sicherheitsbehörden in Deutschland agieren konnte. Das weltweit agierende Neonazi-Netzwerk steht für Gewalt bis hin zum Mord.“

Mit dem heutigen Verbot wird es künftig nicht mehr möglich sein, die Symbole der Hammerskin Nation (gekreuzte Hämmer) und dazugehörigen „Crew 38“ in der Öffentlichkeit zu tragen. „Allerdings vermute ich, dass die Struktur mit dem heutigen Verbot und dazugehörigen Durchsuchungsmaßnahmen nicht wirklich zerschlagen wurde. Wer eine Bruderschaft, wie die ‚Hammerskins‘, mehr als 30 Jahre agieren lässt, mag ein Label verbieten, ob die Struktur damit zerschlagen ist, wird sich zeigen“, so die Abgeordnete.

König-Preuss weist darauf hin, dass insbesondere Verfassungsschutzbehörden die Hammerskins u. a. in ihren Jahresberichten regelrecht ignorierten und verharmlosten: „Im letzten Jahresbericht des Verfassungsschutzes Thüringen 2021 werden die Hammerskins nicht einmal namentlich erwähnt. In den vorherigen Jahren tauchen sie - wenn überhaupt - oft nur als Randnotiz auf. Und das, obwohl das 2017 stattgefundene ‚Rock gegen Links‘ in Themar eines der größten Konzerte der Hammerskins in Europa war, bei dem auch Deutschlandchef Malte Redeker selbst vor Ort war.“

In Thüringen leben nicht nur führende Akteure der Hammerskins, hier konnten über Jahre hinweg - zumeist ungestört - Hammerskin-Veranstaltungen stattfinden. War zuerst die „Erlebnisscheune Kirchheim“ relevant, wurde diese ab 2019 vom „Flieder-Volkshaus“, der Landeszentrale der NPD (DIE HEIMAT) in Eisenach, abgelöst. „Das ‚Flieder Volkshaus‘ war jedoch nicht die einzige rechte Immobilie, auf die die Hammerskins in Eisenach Zugriff hatten. So konnten sie im Juli 2019 ein zuvor verbotenes Rechtsrock-Konzert im „Bulls Eye“, der Kneipe des seit April 2022 inhaftierten Führungskaders von ‚Knockout 51‘ Leon Ringl, durchführen. Hier zeigt sich erneut, dass ‚Knockout 51‘ mit anderen militanten Neonazi-Netzwerken tief vernetzt war“, so die Abgeordnete.

Bei dem heute durchsuchten Thomas Gerlach aus Heukewalde (Altenburger Land) handelt es sich um eine jahrzehntelang aktive Führungsperson der Hammerskins in Thüringen. „Die extrem rechten Aktivitäten von Thomas Gerlach könnten ein ganzes Buch füllen. Seit mehr als 20 Jahren bei der HSN aktiv, ist er nicht nur regelmäßig bei den konspirativ organisierten Treffen, sondern ist international bestens vernetzt, bspw. innerhalb Russlands und in Portugal. Gemeinsam mit dem später verurteilten NSU-Helfer Wohlleben war er Mitveranstalter rechter Großkonzerte, wie das 'Fest der Völker' oder 'Tag der Nationalen Jugend' in Thüringen. Gerlach war mehrfach als Zeuge im NSU-Prozess geladen, verweigerte jedoch jegliche Angaben zur Bruderschaft der Hammerskins, da dies mit seinem ‚Wertegefühl‘ nicht vereinbar sei. Mindestens Teile der Hammerskins sind als Unterstützungsstruktur für den rechtsterroristischen NSU zu betrachten. Dass Thomas Gerlach, der eine zutiefst menschenverachtende Ideologie vertritt, als Altenpfleger in einer Einrichtung im Altenburger Land arbeitet und es bisher keine Probleme für ihn gab, ist hoffentlich nun Geschichte“, so König-Preuss.

„Dass das Hammerskin-Verbot nicht konsequent umgesetzt wurde, zeigt sich auch daran, dass es heute Morgen keine Durchsuchungsmaßnahmen bei dem seit 2020 im Kyffhäuserkreis lebenden maßgeblichen Hammerskin-Akteur Nils Budig gab, der u.a. als Organisator des letzten Hammerskin-Konzertes in Eisenach auffiel und dem Hammerskin-Vertriebsstrukturen zuzurechnen sind“, sagt König-Preuss. Deutlich wird erneut, dass antifaschistische Recherchestrukturen, wie EXIF, deutlich mehr und tieferen Einblick in militante Neonazi-Strukturen haben als Sicherheitsbehörden“, meint die Abgeordnete, die auf über Jahre hinweg veröffentlichte umfangreiche Informationen von EXIF zu den Hammerskins verweist.

„Dass Torsten Czuppon, Landtagsabgeordneter der AfD in Thüringen, erst vor wenigen Tagen ein Foto vom heute ebenfalls durchsuchten Sven Krüger, Kopf der Hammerskins Mecklenburg verbreitete, bestätigt erneut, dass die AfD der parlamentarische Arm von Neonazis und deren militanten Strukturen ist“, resümiert König-Preuss.