16. Februar 2015 Hubert Krawczyk

Saalgasse Rudolstadt und der Verkehr

Hubert Krawczyk

Zum von den Bürgern für Rudolstadt in die Stadtratssitzung Februar eingebrachten Antrag, die Saalgasse in Rudolstadt für den PKW-Verkehr zu öffnen, habe ich in der Sitzung erklärt:

Ich spreche namens der Fraktion gegen den Antrag.

Der Stadtrat hat gerade einmal vor anderthalb Jahren nach langer und öffentlicher Diskussion das Verkehrsberuhigungskonzept beschlossen. Nur drei Stadträte stimmten ihm nicht zu.

Betreffs Befahrung der Saalgasse ist zu lesen: „Diese Ausfahrt stellt ein Verkehrssicherheitsproblem für Fußgänger und Radfahrer in der Fußgängerzone dar. Die Verkehrssituation gestaltet sich hier unübersichtlicher als im Bereich Marktstraße / Große Badergasse. Das Aufkommen an Radfahrern und vor Fußgängern ist deutlich höher und die Aufenthaltsfunktion der Fußgänger steht im Vordergrund. Die Ausfahrt wird...schlecht wahrgenommen.“

Die Aussage bezog sich auf die Variante Ausfahrt vom Markt in Richtung Anton-Sommer-Straße, wenn jetzt die Fahrtrichtung umgekehrt werden soll, ändert das nichts an der Gültigkeit der Argumente. Und diese Argumente sind identisch mit der Grundsatzmeinung unserer Fraktion zum heutigen Antrag.

Noch einmal: Die Aufenthaltsfunktion der Fußgänger steht an der Stelle, um die es geht, im Vordergrund. Dabei wird der Fußgängerbereich schon geschnitten – nämlich durch die KFZ-Überfahrt von Strumpfgasse zur Großen Badergasse. Es mag ja sein, dass wie im Antrag geschrieben, dieser Übergang schon eine größere Fahrzeugmenge ohne Konflikte mit Fußgängern verkraftet hat. Daraus kann aber nicht die Berechtigung eines zweiten Übergangs direkt am Marktplatz hergeleitet werden, wie es der Antrag tut. 

Wir meinen auch, dass der Wochenmarkt auf dem Marktplatz beibehalten werden sollte, nicht nur, weil ein Markt auch auf einem Marktplatz stattfinden sollte, sondern weil wir die Verlegung in Richtung Güntherbrunnen angesichts der erfreulich vielen Marktbesucher als ungünstig ansehen.

Eine Meinung bildet sich immer im Resultat der Abwägung verschiedener Argumente. Es bezweifelt niemand, dass der Antrag auch eben den positiven Effekt enthält, dass die Anzahl der Fahrzeuge auf der aktuellen Zufahrtsroute zum Markt zurückgehen würde. Allerdings kommt der größte Teil der 3.200 in 24 Stunden gezählten Fahrzeuge mit Sicherheit nicht aus östlicher, sondern aus westlicher Richtung. 

Dass der Verkehr zum Markt Schulen und Kindergärten tangiert, ist fast richtig. Der Verkehr betrifft genau einen Kindergarten und das Gymnasium ist vom Verkehr auf der Großen Allee kaum betroffen. Die Anzahl der Fahrzeuge auf der Großen Allee liegt bei 1.500 in 24 Stunden. Zum Vergleich dazu: die Anton-Sommer-Schule wird in 24 h von mindestens 25.000 Fahrzeugen tangiert, sogar zweiseitig. Nun sagt der Volksmund zwar „Jedes bisschen hilft“, es ist aber, wie schon gesagt, eine Sache der Abwägung der Argumente gegeneinander. Und hier meinen wir, dass die im Antrag mit der Nennung der Begriffe Schule und Kindergarten implizierten Gesundheits- und Sicherheitsrisiken für unsere Kinder in der Großen Allee so nicht gegeben sind.

Welches sind nun die Absichten unserer Fraktion? Wir sind der Auffassung, dass so gehandelt werden sollte, wie es diskutiert und beschlossen worden war. Als erste Maßnahme wurde die Fahrtrichtung in der Stiftsgasse zwischen Ratsgasse und Töpfergasse gedreht mit dem Ziel, den Durchfahrtsverkehr zu vermindern. Nach einem halben Jahr sollte die Entscheidung überprüft werden. Dies konnte aufgrund der Baumaßnahmen und der damit zusammenhängenden Änderung der Verkehrsführung bisher nicht geschehen und kann möglicher Weise auch erst nach Abschluss der Baumaßnahme Alte Straße/Marktstraße erfolgen. In Abhängigkeit von den dann festgestellten Ergebnissen ist dann neu zu beraten und zu beschließen. Aber nicht andersherum.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Quelle: http://www.die-linke-saalfeld-rudolstadt.de/nc/presse/news/detail/artikel/saalgasse-rudolstadt-und-der-verkehr/