29. Januar 2012

Prekäre Beschäftigungsverhältnisse an Thüringer Hochschulen Normalität

„Unsichere und prekäre Beschäftigungsverhältnisse der wissenschaftlichen MitarbeiterInnen sind auch an Thüringer Hochschulen längst Realität“, konstatiert Susanne Hennig, Sprecherin für Studierendenfragen der Fraktion DIE LINKE im Thüringer Landtag. Bundesweit sind von 160.000 wissenschaftlichen MitarbeiterInnen über 80 Prozent befristet, davon haben 53 Prozent nicht einmal einen einjährigen Arbeitsvertrag. Für befristete Arbeitsverträge dürfen die Gewerkschaften laut des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes nicht einmal Tarifverhandlungen führen, kritisiert Hennig nach der Tagung „Gesellschaft krank! Hochschule gesund?“ der Thüringer „Gewerkschaft Erziehung- und Wissenschaft“ (GEW), bei der es vor allem um Arbeitsbedingungen an den Hochschulen ging.

„In Thüringen zeichnet sich ein ähnlich schlechtes Bild ab“, so Hennig. Eine Anfrage der Abgeordneten an die Thüringer Landesregierung (Dr. 5/1886) belegt das. Hinzu kommen erschwerend die schlecht bezahlten und unsicheren Beschäftigungsverhältnisse der studentischen und wissenschaftlichen Hilfskräfte sowie der Lehrbeauftragten. Weder im neuen Thüringer Personalvertretungsgesetz noch im Landeshochschulgesetz gibt es Regelungen für eine personalrechtliche Vertretung der bis zu 2.000 studentischen Hilfskräfte. Lehrbeauftragte werden durch den Leiter der Hochschule benannt, eine Regelung ihrer Arbeitsbedingungen und Entlohnung durch einen Tarifvertrag ist bisher nicht möglich. "Die Thüringer Regierungsparteien scheinen an einer gesetzlichen Regelung zum Vorteil der Beschäftigten nicht interessiert zu sein", stellt sie Abgeordnete fest.

Der durchschnittliche Verdienst von Lehrbeauftragten liegt in Thüringen zwischen 280 und 2.400€ pro Semester. Lehrbeauftragte ohne andere Hauptbeschäftigung sind daher häufig darauf angewiesen, ihr Einkommen durch den Bezug von Sozialhilfe – Leistungen aufzustocken. Diese Beschäftigungsverhältnisse bieten den Hochschulen eine einfache „Flucht“ aus der tariflich geregelten Beschäftigung, da so ein Großteil von Forschung und Lehre abgedeckt werden kann und die Hochschulen zugleich auf Kosten der Beschäftigten Geld sparen.

Die negativen Folgen für die Qualität von Forschung und Lehre sowie die Gewinnung von gutem wissenschaftlichen „Nachwuchs“ sind offensichtlich. DIE LINKE im Thüringer Landtag unterstützt die Forderungen der GEW nach tariflich abgesicherten Beschäftigungsverhältnissen von Promovierenden während ihrer wissenschaftlichen Arbeit. Auch den promovierten Wissenschaftlern muss eine Perspektive durch feste Arbeitsverträge mit einer Berufsperspektive, sogenannten „tenure tracks“, geboten werden. "Zudem müssen dauerhaft zu erfüllende Aufgaben an den Hochschulen mit Dauerstellen besetzt sein, prekäre Beschäftigungsverhältnisse sind in reguläre umzuwandeln", so Frau Hennig und kündigt parlamentarische Aktivitäten der Linksfraktion zur Umsetzung dieser Forderung an.

Quelle: http://www.die-linke-saalfeld-rudolstadt.de/nc/presse/news/detail/artikel/prekaere-beschaeftigungsverhaeltnisse-an-thueringer-hochschulen-normalitaet/