11. Februar 2018 Hubert Krawczyk

Post vom Vorsitzenden unserer Kreistagsfraktion



Liebe Redaktion,
in der Januar-Ausgabe war zu lesen, dass der OTZ der Standpunkt unserer Kreistagsfraktion zur Bildung einer Gemeinschaftsschule in Lichte der OTZ keine Zeile wert war. Ich hatte auf diese Tatsache hin folgenden Schriftverkehr mit dem Redakteur, den ich der Redaktion zur Verfügung stelle.
Die Anrede „Sehr geehrter Herr Krawczyk, sehr geehrter Herr Kräuter“ in der Antwort von Herrn Voigt resultiert daraus, dass sich Rainer – unabhängig von meinem Schreiben – ebenfalls an diesen gewandt hatte.

Viele Grüße
Hubert



E-Mail vom Donnerstag, 21. Dezember 2017, 16:08 Uhr

Sehr geehrter Herr Voigt,
ich habe soeben Ihren Bericht „Rettungsversuch per Schulvereinigung“ gelesen. Seit 1990 sind ich bzw. meine Stadtrats- oder Kreistagsfraktion in der OTZ-Berichterstattung über ein Thema, zu welchem wir mit deutlichen und ausführlichen Standpunkten in der Diskussion präsent waren, niemals geschnitten worden. Sie haben es nun fertiggebracht, weder Herrn Grünschneder noch mich, die sich für die Fraktion DIE LINKE an der Diskussion unübersehbar beteiligt haben, überhaupt nur zu erwähnen. Vom Inhalt unserer Meinungen fehlt dann selbstverständlich auch jede Spur.
Dagegen räumen Sie den beiden CDU-Rednern mehr als die Hälfte Ihres Berichts ein.
Ich betrachte Ihre Berichterstattung als ausgesprochen unausgewogen. Über Gründe will ich an dieser Stelle nicht spekulieren – vielleicht können Sie sie mir erklären.

Mit freundlichem Gruß
Hubert Krawczyk
Fraktionsvorsitzender
DIE LINKE


E-Mail vom Freitag, 22. Dezember 2017, 15:49 Uhr

Sehr geehrter Herr Krawcyk, sehr geehrter Herr Kräuter,
ich glaube, Sie verwechseln Ausgewogenheit mit Vollständigkeit. Letztere, im Sinne von Wiedergabe aller Meinungsäußerungen und inhaltlichen Details, wird weder bei der Berichterstattung über Kreistagssitzungen noch bei sonstigen Themen zu erreichen sein. Die Zeitungsseiten wie auch das Interesse der Leser sind endlich. Zeitung muss sich daher oft auf ausgewählte Äußerungen beschränken, die trotzdem des Wesentliche einer Debatte anschaulich machen. Eine mehrmalige Wiederholung der im Kern gleichen Argumente, nur mit anderem Namen, schreckt nach meiner Erfahrung den Leser ab. Das hat nichts damit zu tun, dass Sie und Ihre Fraktion „geschnitten“ würden. Seien Sie versichert, dass ich andere Personen, Fraktionen und Parteien ebenso „schneide“, wenn das Vermeiden von schädlicher Redundanz für eine Berichterstattung, die den Leser nicht sediert, erforderlich ist.
Im Übrigen wird nach meiner Erfahrung meist dann „objektive Berichterstattung“ angemahnt, wenn man lediglich die eigene Äußerung vermisst. Objektivität stellt sich aber, soweit ich mich meiner M-L-Dozenten erinnere, nicht durch die Aneinanderreihung subjektiver Standpunkte her.
Mit freundlichen Grüßen,
Jens Voigt
Ostthüringer Zeitung (OTZ)
Lokalredaktion Saalfeld


E-Mail vom Freitag, 22. Dezember 2017, 21:15 Uhr

Sehr geehrter Herr Voigt,
vielen Dank für Ihre schnelle Antwort. Ich meine mit Ausgewogenheit selbstverständlich Ausgewogenheit und nicht, was Sie mit Vollständigkeit beschreiben. Ich habe geschrieben, dass Sie nicht einmal erwähnt haben, dass sich Vertreter meiner Fraktion zur Beschlussvorlage geäußert haben. Eine Vollständigkeit „im Sinne von Wiedergabe aller Meinungsäußerungen und inhaltlichen Details“ unserer Redebeiträge habe ich überhaupt nicht angesprochen.
Es geht überhaupt nicht um eine „mehrmalige Wiederholung der im Kern gleichen Argumente“. Auch ich brauche als Leser das nicht. Es geht um etwas anderes. Vor den nächsten Kommunalwahlen wird jede Partei und Wählervereinigung auch in der OTZ wieder ihre Wahlziele verkünden. Sehen Sie es dann wirklich als Abschreckung Ihrer Leserinnen und Leser an, wenn Sie zwischen den Wahlen die Öffentlichkeit darüber informieren, dass sich (im Unterschied zu anderen Fraktionen, die keinen Standpunkt bezogen) und vielleicht auch in ein, zwei Sätzen wie sich eine Kreistagsfraktion im politisch pluralistisch zusammengesetzten Kreistag zu einer wichtigen bildungspolitischen Beschlussvorlage des Landrats geäußert hat? Das kann ich nicht glauben und das ist in den vielen Jahren meiner wahrlich umfangreichen Kommunikation mit der lokalen OTZ auch nicht Redaktionspolitik gewesen.
Aus Ihrer Antwort entnehme ich dagegen, dass Ihr wichtigstes journalistisches Ziel darin besteht, den geschätzten und zahlenden Leser nicht mit Redundanz zu sedieren. Ist das nicht eher das Credo von Boulevardblättern?
Ich möchte noch darauf verweisen, dass ich in meinem Schreiben „objektive Berichterstattung“ nicht angemahnt habe und Ihren Bericht auch in keinen Zusammenhang mit dem Wortpaar gestellt habe. Insofern bin ich für diesen Teil Ihrer Antwort der falsche Adressat. Trotzdem freue ich mich natürlich, dass Sie einen so guten M/L-Dozenten hatten.

Mit freundlichem Gruß
Hubert Krawczyk

Quelle: http://www.die-linke-saalfeld-rudolstadt.de/nc/presse/news/detail/artikel/post-vom-vorsitzenden-unserer-kreistagsfraktion/