2. September 2017 Torsten Wolf (MdL)

Doppelter Lehrermangel in Thüringen

In Anlehnung eines Liedes von Pur könnte man fragen: Wo sind all die vielen Lehrer hin? Dies ist nicht so einfach zu beantworten, hat eine lange Historie und keine einfachen Lösungen.

Begonnen hat das Problem mit einem Urteil gegen die Teilzeitverbeamtung von Lehrern im Jahr 2008, welches den Thüringer Schulen auf einen Schlag mehr als 1.100 Lehrer zusätzlich erbracht hat, für Fachleute: ca. 25.000 Lehrerwochenstunden. Damit konnten die Schulen großzügig Projekte durchführen, kleine Klassen und Schulen konnten mit ausreichend Lehrern versorgt werden und damit notwendige Schulstrukturreformen hinausgeschoben werden und de facto wurde über Jahre kaum ein Lehrer neu eingestellt, was den Altersdurchschnitt der Lehrer zu einem deutschlandweit höchsten Stand trieb. Dies war ein von der CDU verursachtes Problem, da sie u.a. nicht auf die GEW gehört hat, die bei der Einführung der Verbeamtung von Lehrern schon darauf hingewiesen hat, dass Beamte nicht in Teilzeit gezwungen werden können, wie alle anderen Beschäftigten übrigens auch.

Nun sind fast zehn Jahre ins Land gegangen, Strukturveränderungen hat es nicht gegeben, unter der letzten Regierung wurden deutlich weniger Lehrer eingestellt als in den Ruhestand gegangen sind, es kamen immer neue Aufgaben an die Schulen wie Inklusion und individuelle Förderungen ohne dass es mehr Personal dafür gegeben hätte, so dass die heute im Dienst befindlichen Lehrer nicht nur mit durchschnittlich 53 Jahren die ältesten in Deutschland sind, sondern immer mehr Lehrer auf Grund ihres Altes und ihrer Belastung krankheitsbedingt nicht mehr vor der Klasse stehen. So waren an den allgemeinbildenden Schulen zum Schuljahresanfang 2016/17 568 Lehrer langzeitkrank, zum Ende des Schuljahres schon 804!

Gleichzeitig muss festgestellt werden, dass wir über die letzten zehn Jahre deutliche Mängel in der Lehrerbildung haben. So ist das Regelschullehramt, die Lehrämter für Berufsbildner und für Sonderpädagogen, offensichtlich für viele junge Menschen unattraktiv bzw. da sie ja vorher diese Schularten nicht kennengelernt haben. Auch studieren viel zu Wenige in den Bereichen Naturwissenschaft, Sprachen, Musik oder Kunst. Die vielen ausgebildeten Sozialkunde- und Geschichtslehrer beschweren sich dann in der Presse, dass sie in Thüringen keine Anstellung finden, weil die Landesregierung natürlich nach dem Bedarf der Stundentafel einstellt. Die Ausbildung eines Lehrers, bis er dem Schulsystem zur Verfügung steht, dauert aber nun einmal mindestens acht Jahre. Ein Dilemma!

Durch die rot-rot-grüne Landesregierung wurden seit 2014 mehr Lehrer eingestellt, als in den Ruhestand gegangen sind! Dass trotzdem immer mehr Unterricht ausfällt, liegt an den vielen kranken Lehrern und daran, dass wir nicht die Lehrer mit den richtigen Fachkombinationen finden. Dass uns diejenigen, die dies zu verantworten haben, heute kritisieren, ist an Verlogenheit kaum zu überbieten!

Deswegen ist es richtig, dass der Ministerpräsident nun endlich unter Leitung des Interims-Bildungsministers Prof. Benjamin-Immanuel Hoff, dem ich für seine hervorragende Arbeit im Bildungsministerium ausdrücklich danke, eine Kommission einsetzte, die wirksame Vorschläge gegen den Unterrichtsausfall und Lehrermangel vorlegte. DIE LINKE hat im Wahlkampf versprochen, dass wir Thüringen "fair ändern" wollen, und das ist auch Inhalt des Abschlussberichts der Kommission "Zukunft Schule": bessere Bezahlung für Regelschullehrer, Gesundheitsmanagement, Vertretungsreserve und schulscharfes Vertretungsbudget, Mindestgrößen bei Klassen und Schulen, Verbesserungen in der Lehrerbildung. Die Fraktion DIE LINKE hat gemeinsam mit den Koalitionspartnern einen begleitenden Antrag („Zukunft im Bildungsbereich gestalten - Nachwuchs für gute Schule sichern“) in das Augustplenum eingebracht, in dem wir unsere Schwerpunkte noch einmal präzisieren. Die Fraktion DIE LINKE wird im Doppelhaushalt 2018/19 genau hier den Schwerpunkt setzen, um die Ressourcen zur Unterrichtsabsicherung so auskömmlich wie möglich zu gestalten.


Unterrichtsgarantie wird nicht heute und nicht morgen erreichbar sein. Aber alle Schüler, Eltern und Lehrer können sich auf DIE LINKE verlassen, wir arbeiten daran!

Quelle: http://www.die-linke-saalfeld-rudolstadt.de/nc/presse/news/detail/artikel/doppelter-lehrermangel-in-thueringen/