29. Juni 2012

Karola Stange: Existenz der Hebammen sichern, bevor es keine mehr gibt

Zum 1. Juli steigen die Prämien für die Berufshaftpflicht von Hebammen ein weiteres Mal auf nunmehr 4.242 Euro. Das entspricht einer Steigerung von 187 Prozent in nur vier Jahren. „Wenn Hebammen zwischen 21 und 32 Prozent ihres Nettolohnes für eine Versicherung ausgeben müssen, steht für viele die Frage, ob sie sich diesen Beruf überhaupt noch leisten können“, stellt Karola Stange, gleichstellungspolitische Sprecherin der Linksfraktion, fest.

Laut der von Gesundheitsminister Daniel Bahr in Auftrag gegebenen IGES-Studie verdienen Hebammen und Geburtspfleger in Deutschland durchschnittlich zwischen 13.125 und 20.400 Euro netto im Jahr, je nachdem, ob sie freiberuflich tätig und in Teilzeit oder aber in Vollzeit angestellt sind. 25,4 Prozent verdienen sogar weniger als 8.000 Euro. „Es ist schlicht nicht zu fassen, wie die Krankenkassen Milliardenüberschüsse erzielen und sich gleichzeitig weigern, den Hebammen eine angemessene Lohnerhöhung zukommen zu lassen“, kritisiert Karola Stange.

Ebenso unverständlich sei jedoch auch, dass sich von 183 Versicherern lediglich zwei bereit erklärt hätten, eine Pflichtversicherung anzubieten, ohne die die Hebammen ihren Beruf nicht ausüben könnten. Europaweit seien sogar 477 Versicherungsgesellschaften angefragt worden – ohne Erfolg. „So haben die Hebammen gar keine andere Wahl, als völlig überteuerte Prämien zu zahlen oder aber ihren Beruf an den Nagel zu hängen“, sagt die LINKE-Politikerin.

Es sei ein Trauerspiel, wie der schwarze Peter zwischen Politik, Krankenkassen und Versicherern hin- und hergeschoben werde. „Hier macht auch der Bundesgesundheitsminister keine Ausnahme, er zieht keine Konsequenzen aus der Studie. Die Linksfraktion wird ins nächste Plenum einen Entschließungsantrag einbringen, in dem wir konkrete Vorschläge zur Verbesserung der Situation machen“, kündigt Karola Stange an. Dabei will DIE LINKE sowohl die Versicherer als auch die Bundesregierung in die Pflicht nehmen. „Wir wollen das Schwarze-Peter-Spiel beenden und endlich die berufliche Existenz der Hebammen retten.“