30. Juli 2012

Biosphärenreservat Vessertal in Gefahr!

"Der moderierte Diskussionsprozess zur Neuausrichtung des Biosphärenreservats Vessertal ist zwar mit der Abschlussveranstaltung am 12. Juli formell abgeschlossen, aber die hitzigen Debatten werden mit Sicherheit weitergehen, denn so unproblematisch, wie der Umweltminister Jürgen Reinholz heute den Erweiterungsprozess im Vergleich zum Biosphärenreservat Rhön bezeichnet hat, ist er bei weitem nicht", so Tilo Kummer, Umweltpolitiker der Fraktion DIE LINKE im Thüringer Landtag.

Der Linksfraktionär verweist in dem Zusammenhang auf die Ankündigung der Gemeinden Nahetal-Waldau und St. Kilian, auf Grund der geplanten Reservatserweiterung auf ihren Territorien Klage einreichen zu wollen, weil sie das Verfahren für nicht ausreichend demokratisch halten. Darüber hinaus befürchten sie in erster Linie Einschränkungen in ihrer Entwicklung. "Eine Region braucht aber konkrete Zukunftsangebote" - ist der Hildburghäuser Abgeordnete überzeugt.

Im Entwurf der Biosphärenreservatsverordnung würde ja Richtiges stehen, u. a. dass Vorhaben und Maßnahmen vorzusehen seien, die ökologische, ökonomische und soziale Belange ausgewogen miteinander verbinden.

Beispiele für die Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe könnten nach Kummers Überzeugung gezieltes Anwerben von Firmen der hochwertigen Holzverarbeitung zur Stärkung des Clusters Holz oder auch eine tägliche Bahnverbindung zwischen Ilmenau und Themar, verknüpft mit kreisübergreifenden Buslinien entlang des Rennsteigs, sein.

Bestätigt sieht sich Kummer durch eine bereits im Jahr 2006 vorgelegte gutachterliche Stellungnahme aus Nordrhein-Westfalen zu regionalökonomischen Effekten von Großschutzgebieten. Hier kämen die Verfasser zu dem Schluss, dass Biosphärenreservate zwar alle Säulen der Nachhaltigkeit - also Wirtschaftskraft, Umweltschutz und soziale Flankierung - integrieren könnten, dies aber in der Praxis viel zu wenig umgesetzt werden würde.

"Das Vessertal kann seine enormen Potenziale durchaus nutzen. Dazu gehört aber z. B. auch ein Finanzierungskonzept, wie es die UNESCO fordert. Denn Hausaufgaben müssen schon gemacht werden, damit nicht doch noch die Aberkennung des Status droht. Das wäre fatal", so Kummer abschließend.