29. April 2012

Schlagende Eltern sind oft überforderte Eltern

„In der Regel wollen Eltern ihre Kinder nicht schlagen“, sagt Matthias Bärwolff, Sozialpolitiker der Fraktion DIE LINKE im Thüringer Landtag, anlässlich des internationalen Tages der gewaltfreien Erziehung am 30. April. „Dennoch führen erzieherische und berufliche Überforderung noch zu oft dazu, dass Kinder mit körperlicher oder psychischer Gewalt zu Wohlverhalten genötigt werden sollen.“

Es sei gut, dass familiäre Gewalt gegen Kinder seit dem Jahr 2000 verboten ist. Dort, wo sie dennoch angewendet wird, müsse die Gesellschaft nach Wegen suchen, die Kinder zu schützen. Dazu gehörten sowohl Familien unterstützende und entlastende Leistungen als auch die verstärkte Aufmerksamkeit gegenüber einer Kindeswohlgefährdung. „Dem Großteil der überforderten Eltern wäre mit Familien begleitenden Angeboten geholfen, wie längere Hortzeiten, Differenzzeitbetreuung bei Schicht-Diensten, zusätzlichen Sport- und Musikangebote in den Schulen, damit der elterliche Taxidienst nicht so oft gebraucht würde“, stellt Matthias Bärwolff fest. „Wichtig ist hier auch der Ausbau von Kitas zu Eltern-Kind-Zentren, in denen vor Ort und familiennah Elternarbeit intensiviert werden kann.“

Daneben gebe es auch grundsätzlich vom Leben überforderte Menschen, deren Erziehungsfähigkeit so eingeschränkt ist, dass die Kinder vor ihren eigenen Eltern geschützt werden müssen. „Aus echten Gewaltfamilien müssen Kinder herausgenommen werden. Dafür brauchen wir ausreichend Pflege- und Adoptivfamilien.“
Allerdings fehlen 50 Pflegefamilien in Thüringen. Diese könnten jedoch schlecht geworben werden, wenn es aufgrund personeller Engpässe keine ausreichende Betreuung der Pflegeeltern und Pflegekinder durch die Jugendämter gäbe und Eltern finanziell deutlich schlechter gestellt seien als empfohlen. „Es ist nicht nachvollziehbar, warum in Thüringen für eine Dreizehnjährige monatlich 156 Euro weniger bezahlt werden als vorgeschlagen“, kritisiert der Sozialpolitiker und bezieht sich auf Empfehlungen des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge.

„Alle Kinder müssen umfassend vor Gewalt geschützt werden“, fordert Matthias Bärwolff. Der Abgeordnete fordert die Landesregierung auf, den Ausbau der Eltern-Kind-Zentren schneller voran zu treiben und sich nicht auf die Bereitstellung von 50.000 Euro zu beschränken – bei mehr als 1.400 Kitas sei dies eine geradezu lächerliche Zahl. Wichtig sei aber auch die Besserstellung von Pflegefamilien, in denen misshandelte Kinder liebevolle Aufnahme finden könnten. „Neben einer angemessenen finanziellen Unterstützung brauchen die Pflegeltern vor allem bessere Betreuung durch die Jugendämter“, betont der LINKE-Sozialpolitiker.