1. November 2014 Bärbel Weihrauch

Reden allein hilft nicht – es muss gehandelt werden!

Aufruf von Bärbel Weihrauch, Vorsitzende der Stadtratfraktion Saalfeld:

Liebe Mitglieder und Sympathisanten der Partei DIE LINKE des Kreisverbandes Saalfeld/Rudolstadt,

ich wende mich an Euch alle in großer Sorge um das Schicksal der zu erwartenden weiteren asylsuchenden Menschen in unserem Landkreis.

Besuche und Gespräche in Beulwitz sowie mit verantwortlichen Mitarbeitern des Landratsamtes in der vergangenen Woche haben mir vor Augen geführt:
-    das Land Thüringen hat bisher zu einer zentralen Aufnahmestelle in Rudolstadt (ehemaliges Krankenhaus) noch nichts entschieden,
-    die angebliche Zusage, dass bis zu einer endgültigen Entscheidung keine weiteren Flüchtlinge in unseren Landkreis kommen – wie sie durch den ehemaligen Landrat Holzhey immer interpretiert wurde – gab es laut Aussage von Vertretern der Landesbehörde so nie,
-    es werden in den nächsten Wochen ca. 150 bis 200 Flüchtlinge vor den Türen des Landkreises stehen, für die auf Grund der angeblichen Zusage der Landesbehörde bezüglich einer Erstaufnahmestelle keinerlei Vorkehrungen getroffen wurden.

Das Landratsamt und seine Mitarbeiter stehen jetzt vor dem Problem, dass es kaum Bereitschaft der Kommunen und ihrer Bürgermeister gibt (außer in Saalfeld, wo bereits 350 Flüchtlinge in den letzten Jahren untergebracht wurden), schnelle Hilfe zu leisten und vor allem die entsprechenden Immobilien zur Verfügung zu stellen. Die Gemeinde Unterwellenborn hat sogar eine Klage dagegen eingereicht, vorerst Flüchtlinge in ein leer stehendes Gebäude des BZ, das dem Landkreis gehört, unterzubringen. Eine große Abwehr gibt es auch bei den Wohnungsgesellschaften vor allem in Rudolstadt und Bad Blankenburg, in frei stehenden Wohnungen Flüchtlingsfamilien unterzubringen.

Liebe Genossinnen und Genossen,
wir können jeden Abend vor dem Fernsehgerät sitzen und die Situation der Menschen, die sich auf der Flucht vor Krieg, Mordanschlägen, Folter, Vergewaltigungen usw. befinden bedauern und beklagen. Wir können jeden Tag über die Ursachen für diesen Zustand der Welt philosophieren und auch fluchen aber die Menschen, die jetzt zu uns kommen, brauchen unsere konkrete Hilfe sofort.

Ich bitte Euch:
-    setzt euch in den Gemeinde- und Stadträten ein, dass Quartiere bereitgestellt werden!
-    sorgt durch Gespräche in eurem Umfeld (Familie, Vereinen), dass Menschen, die in eure Kommunen kommen, kein Hass entgegenschlägt!
-    lasst nicht zu, dass die „Rechten“ und ihr Anhang als erste vor den Türen neuer Unterkünfte stehen!
-    bitte zeigt den Menschen, die unsere Hilfe brauchen durch Gesten, Besuche, Hilfsangebote, dass sie willkommen sind!

In meinem Gespräch mit der Leiterin der Gemeinschaftsunterkunft in Beulwitz wurde immer wieder das große Engagement der Saalfelder Schulen, KITAs, Sportvereine, Kirchgemeinden, von Bürgern und der WOBAG hervorgehoben, Flüchtlinge und Asylbewerber in das städtische Leben zu integrieren.

Es muss unser Bestreben sein, dass überall, wo in den nächsten Monaten in den Kommunen unseres Landkreises Flüchtlinge untergebracht werden, Wege gefunden werden, diese zu integrieren.

Und noch eine Bitte:

Die Gemeinschaftsunterkunft in Beulwitz sucht dringend Männer und Frauen, die in kleinen Gruppen oder auch individuell Sprachlehrgänge ehrenamtlich anbieten. Dies sowohl für Kinder als auch Erwachsene. Es gibt unter syrischen und irakischen Flüchtlingen ein großes Bedürfnis und Interesse, sich Deutschkenntnisse anzueignen.

Wer sich vorstellen kann, auf diese Weise direkt und unmittelbar zu helfen, kann sich gern an mich wenden (Telefon: 03671 64 33 33).

Bärbel Weihrauch
Mitglied der Kreistagsfraktion und Vorsitzende der Stadtratsfraktion Saalfeld der LINKEN