16. Oktober 2016 Sven Kurzhauer

Besuch bei der Fête de l’Humanité in Paris

Alljährlich, am zweiten Wochenende im September, findet das Pressefest der l’Humanité in Paris statt. In diesem Jahr wurde eine Busfahrt von der Linken in Gera organisiert, an der sich auch eine kleine Besuchergruppe aus unserem Landkreis beteiligte. Mit Mutter Pätzold, ihrem Nachwuchs, sowie meiner besseren Hälfte, waren wir 5 Wiederholungstäter. Entsprechend groß war die Vorfreude - aber auch die Neugier, da der letzte Festbesuch mindestens schon 8 Jahre zurücklag. Offenbar hatte man sich auch auf uns gefreut, denn wir erlebten Paris bei Kaiserwetter.

Nicht nur in der Besucherzahl von 450.000 unterschied sich das Fest von hiesig Bekanntem. Die Atmosphäre könnte man beschreiben als eine Mischung von Politgesprächen, viel tff –jetzt Rudolstadt-Festival, tff versteht nur Jeder– etwas Kunst, Sportangebote und ein wenig Rummel. Die Gäste setzten sich aus allen Generationen zusammen.

Ein Höhepunkt für den Besucher ist das Villages du Monde, das Dorf der Welt, mit Ständen von mehr als 50 Parteien, Organisatoren und Zeitungen. Kulinarisch und musikalisch begibt man sich hier auf einen besonderen Spaziergang. Kleine Gruppen bieten in den Zelten ihre Musik dar und verleiten die Passanten zum Tanzen. Mit dem Einbruch der Dämmerung tanzen die Menschen dann auch auf den Wegen. Für den Gaumen gibt es, bei erfreulich moderaten Preisen, viel zu probieren. Grenzen setzt hier nur das Sättigungsgefühl, welches leider zu früh einsetzt. Auffallend ist die friedliche Stimmung. Keine gereizte Stimmung im Gedränge und der Alkohol zeigt nicht seine hässliche Fratze. Hier wird er als Genuss konsumiert. Kubanische Cocktails und französische Weine sind die Favoriten der Festbesucher. Wer es etwas lauter und rockiger haben will, orientiert sich an drei großen Bühnen auf dem Festgelände. Hier spielen angesagte Bands zu ihren Konzerten auf.

Schwerpunkt der politischen Debatten waren der Kampf gegen den Terrorismus, die Hilfe für Kriegsflüchtlinge und die Abwehr der zunehmenden Fremdenfeindlichkeit.

Leider waren uns auf diesem Gebiet sprachlich sehr enge Grenzen gesetzt. Das bekamen wir zu spüren, als wir den Stand von Stains, der Partnerstadt Saalfelds, besuchten. Man erkundigte sich nach der Anzahl der aufgenommenen Flüchtlinge im Verhältnis zur Einwohnerzahl und deren Unterbringung. Die moderne Technik half nicht viel weiter, da das Internet nur unzureichend zur Verfügung stand. Auch wenn Tom die Möglichkeiten seines Smartphones zur Übersetzung voll ausreizte, verhinderte das zeitweise fehlende Internetsignal eine tiefere Konversation. Englisch brachte uns hier auch nicht weiter.
Nicht in Worte zu fassen war aber die Herzlichkeit und ehrliche Freude, mit der wir hier empfangen wurden.

Für die Sehenswürdigkeiten der Metropole Paris blieb auch noch Zeit. Die Busfahrt begann am Donnerstagabend und am Folgetag erreichten wir gegen Mittag unser Hotel. So besuchten wir Montmartre. Anschließend unternahmen einige eine Seine-Rundfahrt. Als finalen Abschluss genossen wir Saalfelder auf einem Restaurantschiff die Sommernacht mit französischen Rotwein und Blick auf den Eifelturm im Lichtergewand. Der Samstag blieb dem Pressefest und am Sonntag ging es heimwärts mit vielen bleibenden Erinnerungen im Gepäck.

Gesteuert wurde unser Bus von einem außergewöhnlichen Fahrer, der sein Gefährt an Hindernissen so genau vorbeilenkte, dass keine Zeitung mehr dazwischen passte.

Wie schon damals bleibt auch heuer das Gefühl und die schöne Erfahrung, so viele Menschen erlebt haben zu dürfen, deren Lebenseinstellung in einem Für- und Miteinander gegensätzlich zu den heutigen Egoismen geprägt ist. Die 450.000 Besucher zeigen: man ist diesbezüglich nicht allein, auch wenn es sich im Alltag oft anders anfühlt.

Quelle: http://www.die-linke-saalfeld-rudolstadt.de/aktuell/aktuell/detail_nachrichten/browse/2/artikel/besuch-bei-der-fete-de-lhumanite-in-paris/