12. Mai 2016 R.R.

Diagnosebezogene Fallpauschalen: Kleine Ursache – fatale Wirkung

Im Jahr 2004 wurde begonnen, die Krankenhausfinanzierung auf DRG, auf Diagnosebezogene Fallpauschalen, umzustellen. Gleichzeitig wurden die gesetzlichen Regelungen zur Personalbemessung abgeschafft. Bis dahin finanzierte sich ein Krankenhaus dual – die Betriebskosten aus den Tagespflegesätzen und die Investitionen in Gebäude und Ausrüstung aus den Fördermitteln der Länder. Es galt das Prinzip der Kostendeckung.

Die Länder kommen aber ihren Verpflichtungen nur unzureichend nach, so dass ein erheblicher Investitionsstau enstand. Oft gehen die Krankenhäuser mit eigenen Mitteln für Investitionen in Vorleistung, was zu Lasten der Patienten und des Personals geht.

Die Diagnosebezogenen Fallpauschalen sollten die Kosten der Behandlung abbilden und transparent und einheitlich werden, die Kosten sollten „gedämpft“ werden. „Unwirtschaftliche“ Häuser oder Abteilungen (z.B. Kinderabteilungen) sollten über diesen Umweg zur Schließung gezwungen werden. Das Geld sollte der Leistung folgen.

Tatsächlich folgt aber die Leistung dem Geld, und das hat fatale Folgen für alle Beteiligten.
Durch die Diagnosebezogenen Fallpauschalen wurde das Krankenhaus durchökonomisiert. Die Krankenhäuser befinden sich in einem grotesken Wettbewerb – auf Kosten der Patienten und des Personals. Von 2005 bis 2013 stiegen die Fallzahlen um 13,6 %, die Verweildauer sank von 8,7 Tagen auf 7,5 Tage und die Zahl der Ärzte stieg um 21 %, während die der Pflegestellen lediglich um 4,5 % stieg.

Der ökonomische Druck auf die Krankenhäuser hat fatale Folgen für Personal und Patienten: Bereiche wie Wäscherei, Küche oder Handwerker wurden ausgegliedert. Diese verrichten nun zu schlechteren Bedingungen die gleiche Arbeit. Weniger Pflegekräfte versorgen mehr Patienten in kürzerer Zeit. Die Arbeit der Pflege wurde erheblich verdichtet, oft können Pausen nicht genommen werden, die Hygiene kommt wegen Zeitmangels zu kurz… Der Zusammenhang zwischen höherer Sterblichkeit bei niedrigerer Zahl von Pflegekräften wurde in mehreren Studien eindeutig belegt.

Wenn Pflegekräfte kurzfristig ausfallen, müssen Kolleg_innen einspringen, die Freizeit ist nicht mehr planbar. Diese Arbeitsbedingungen machen krank. Ein Teufelskreis.

Der Anstieg der Stellen im ärztlichen Dienst liegt aber nicht nur in der Logik der Diagnosebezogenen Fallpauschalen, wegen derer ein Krankenhaus möglichst viele hochpreisige Prozeduren (Operationen und Untersuchungen) durchführen muss, um Erlöse zu erzielen. Hinzu kommt, dass der Kampf der Ärzte um vernünftige Arbeitszeiten Früchte trägt. Noch vor 15 Jahren war es üblich, dass ein Arzt freitagmorgens zur Arbeit ins Krankenhaus ging, um dieses am Montagabend nach getaner Arbeit wieder zu verlassen.

Der Politik sind die fatalen Wirkungen der Diagnosebezogenen Fallpauschalen wohlbekannt, statt aber über sinnvolle Änderungen nachzudenken, wird versucht, dieses unheilvolle System auch auf die Psychiatrie (PEPP - Pauschalierendes Entgeltsystem Psychiatrie und Psychosomatik) zu übertragen!

In den Gewerkschaften und bei der LINKEN regt sich Widerstand. DIE LINKE im Bundestag fordert gesetzliche Regeln zur Personalbemessung im Krankenhaus. Die Beschäftigten der Charité haben in einem viel beachteten Streik für eine bessere Personalbemessung erste Erfolge erzielt.

Ein Krankenhaus ist keine Schraubenfabrik, die sich „rechnen“ muss. Ein Krankenhaus hat einen Versorgungsauftrag, der mit Vernunft und Augenmaß zu leisten ist.

Quelle: http://www.die-linke-saalfeld-rudolstadt.de/aktuell/aktuell/detail_nachrichten/browse/1/artikel/die-einfuehrung-der-drg-kleine-ursache-fatale-wirkung/