23. Januar 2018

Gut Ding will Weile haben?

In der Kreistagssitzung am 19.12. habe ich für die Fraktion folgenden, hier leicht gekürzten Standpunkt zur Beschlussvorlage der Verwaltung vertreten, aus der Regelschule Lichte und der Grundschule Schmiedefeld eine Gemeinschaftsschule Lichtetal zu bilden.

„Gut Ding will Weile haben, aber nach einer Reifezeit muss dann auch entschieden werden. Die Zeit für eine Entscheidung des Schulträgers – und das sind wir als Kreistagsmitglieder – ist reif, auch wenn das derzeit nicht von allen Entscheidungs- und vor allem Bedenkenträgern so gesehen wird.

Die Gemeinschaftsschule ermöglicht es, dass Schüler die Entscheidung für ihre zukünftige Schullaufbahn gemeinsam mit Ihren Eltern nicht schon nach Klasse 4 treffen müssen. Zu den Vorteilen und Chancen einer Gemeinschaftsschule belasse ich es bei diesem einen Satz. Alles Weitere ist nämlich im pädagogischen Konzept, welches uns vorliegt, sehr ausführlich und komplex dargestellt. Dabei finde ich es bemerkenswert, dass in den Ausschusssitzungen und Gesprächen keinerlei Bedenken zum Inhalt des Konzepts geäußert wurden. Und mir drängt sich dabei die Frage geradezu auf, warum eigentlich Thüringen nach der Wende ein vom Grundsatz her antiquiertes westdeutsches Schulsystem übernommen hatte, welches auf dem Ausleseprinzip nach Klasse 4 aufgebaut war.

Unsere Fraktion lässt sich davon leiten, dass der Antrag der Landkreisverwaltung zur Änderung des Schulnetzplanes dem schon seit geraumer Zeit vorgetragenen Wunsch der Lehrer, Schülerinnen und Schüler und Eltern der Schulen in Lichte und Schmiedefeld entspricht. Die Schulkonferenzen hatten diesbezügliche Beschlüsse gefasst, womit sozusagen basisdemokratischer Wille zum Ausdruck gebracht worden war. Da der Antrag anderen Belangen der derzeit gültigen Schulnetzplanung nicht widerspricht, wird unsere Fraktion der Beschlussvorlage zustimmen, genauso wie es mehrheitlich der Ausschuss für Kultur und Bildung und der Kreisausschuss getan haben. Auch die vier Bürgermeister der Verwaltungsgemeinschaft Lichtetal haben sich in einer inhaltlich starken Stellungnahme für die Bildung der Gemeinschaftsschule ausgesprochen.

Ich könnte jetzt beenden, wenn es nicht zwei Aspekte gäbe, die den Inhalt des Antrags zwar nur indirekt berühren, aber nicht unbeachtet bleiben können, da sie vom Schulamt Südthüringen und dem Landkreis Sonneberg als potentieller Kooperationspartner in ihren Stellungnahmen thematisiert wurden.

Erstens argumentiert das Schulamt Südthüringen, die Gemeinschaftsschule käme jetzt zu früh, weil der neue Schulplan für Thüringen noch nicht beschlossen sei. Mehr als diesen einen Satz enthält die Stellungnahme allerdings nicht. Es wäre vielmehr interessant zu erfahren, welche konkreten Gründe das Schulamt sieht, dass eine Gemeinschaftsschule derzeit nicht errichtet werden kann, wo es doch eine eindeutige Gesetzeslage gibt. Soll auch dort, wo Veränderungen zum Nutzen der Schülerinnen und Schüler jetzt möglich sind, darauf gewartet werden, dass irgendeine Regierung irgendwann etwas beschließt? Frau Staatssekretärin Ohler hat eine Entscheidung für Sommer 2019 in Aussicht gestellt. Vorausgesetzt, der Zeitplan wird überhaupt eingehalten: Was ist, wenn eine mögliche andere Regierung als die jetzige im Herbst 2019 nach der Wahl anderes will als das, was von der alten Regierung beschlossen werden soll, aber auch noch in der Diskussion steht? Ein Kreistag kann nicht alles, was mal sein könnte, voraussehen. Er kann aber im Hier und Heute eine Entscheidung für seine Schulen treffen.

Zweitens stehen Gebietsveränderungen bei den Gemeinden der Verwaltungsgemeinschaft Lichtetal in Aussicht. Wenn die Gemeinden Lichte und Piesau in der Stadt Neuhaus und die Gemeinden Schmiedefeld und Reichmannsdorf im Rahmen des Wechsels zur Saalfelder Höhe in der Kreisstadt Saalfeld aufgehen, gibt es eine Lösung: Die Landkreise Saalfeld-Rudolstadt und Sonneberg schließen eine Kooperationsvereinbarung „Gemeinschaftsschule Lichtetal“ ab. Und für den Fall, dass der Landtag irgendwann die Zweizügigkeit der Thüringer Schulen beschließt, können die Gemeinschaftsschulen Lichtetal und Neuhaus eine Kooperationsvereinbarung über einen Schulverbund treffen.

Ich beantrage Rederecht für die Schulleiterin der Regelschule Lichte und bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.“

Der Kreistag stimmte der Beschlussvorlage mit großer Mehrheit zu.

Hubert Krawczyk

Anmerkung der Online-Redaktion:
Dem OTZ-Redakteur war diese Position keinen einzigen Satz wert.


Quelle: http://www.die-linke-saalfeld-rudolstadt.de/aktuell/aktuell/detail_nachrichten/artikel/gut-ding-will-weile-haben/